Deutlich mehr erwartet

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8. April 2019

Ahoi by Steffen Henssler, Spitalerstraße 12, 20095 Hamburg, Telefon: 040 64660560

Von der Karte:
Fish´n´Chips „Henssler Style“
Knusprig gebackenes Seelachsfilet | Fritten „Blackened“ | rote Zwiebeln | Peperoni | Koriander | Peperonimayonnaise
9,90 Euro

Rustikal und toll angerichtet kommt das Gericht an meinen Tisch. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Ich gebe es zu, Steffen Henssler gehört zu meinen Lieblingsköchen. Mein Besuch vor zwei Jahren in seinem Restaurant Ono in Hamburg bescherte mir ohne jeglichem Zweifel das beste Sushi, was ich je in meinem Leben gegessen habe. Die Rechnung war dafür recht gesalzen, aber mir tat kein einziger Euro weh. Dieses Mal befand ich mich auf einer Shoppingtour durch Hamburg und kam spontan an seinem recht neuem Restaurant Ahoi vorbei. Erst 2017 wurde es eröffnet. Mit im Boot ist der Bruder Peter Henssler. Zusammen haben sie ein urbanes Restaurant geschaffen, was nach eigener Aussage typisch für London oder New York wäre. Im Außenbereich gibt es einen Imbiss, im Inneren reicht die Palette von Sushi über Salate und Bürger bis hin zu Panfisch. Für mich soll es aber Fish´n´Chips sein, da ich zum einen das Gericht sehr gerne esse, zum anderen es selbst in meinem Irish Pub unzählige Male selbst zubereitet habe.

Fish´n´Chips lässt viele Variationsmöglichkeiten zu. Im Grunde wird frittierter Fisch mit Pommes serviert, um es ganz einfach auszudrücken. Nun aber zu den Feinheiten: Die Fischart ist entscheidend. Hauptsache, es ist ein Weißfisch mit festem Fleisch. Schellfisch habe ich persönlich als idealen Fisch kennen gelernt. Nachteil, er kostet ein bisschen mehr. Man kann es aber auch mit der kostengünstigeren Variante, wie es Steffen Henssler macht, anbieten – mit Seelachsfilet. Als ich das in der Karte schon sah, war ich enttäuscht. Aber es soll ja „Henssler Style“ sein, also siegt die Neugier.

Unter „Henssler Style“ habe ich mir mehr als nur frischen Koriander und Peperoniringe vorgestellt. (Foto: Jesco von Moorhausen)

Zunächst bekomme ich aber einen kleinen Topf mit frischem Popcorn hingestellt. Oh nein, es ist salzig. Ich mag wirklich fast alles essen, aber salziges Popcorn ist so gar nicht mein Geschmack. Zudem finde ich es momentan etwas affektiert, ständig alles mit Popcorn anzubieten. Es ist eine regelrechte Modeerscheinung. Meine Frau fährt allerdings darauf ab. Alles eben Geschmackssache. Mein Duckstein Weizen vom Fass steht zum Glück ebenso schon parat. Feine Sache!

Nach nur kurzer Wartezeit kommt eine wunderbar rustikal wirkende Pfanne mit kunstvoll angerichtetem Fish´n´Chips an meinem Tisch. An dieser Stelle ein großes Lob an den Service im Ahoi. Freundlich und extrem auf Zack sind die Servicekräfte dort unterwegs. Und es war an diesem Tag recht voll dort. Keiner wirkte genervt, alle waren gut drauf.

Vier große Stücke frittierter Fisch liegen auf einem Bett von Pommes. An der Seite sehe ich Mayonnaise. Über das ganze Gericht verteilt sind kleine Peperoniringe und frischer Koriander. Lieber Steffen Henssler, das ist also der „Henssler Style“? Einfach frischer Koriander rüber und fertig? Denn was an den Pommes „Blackened“ sein soll, konnte ich nicht erkennen. Sie waren für mich ganz gewöhnliche Pommes. Der Teig um den Fisch herum war ebenso gewöhnlich, naja, und Seelachs ist jetzt wirklich keine Gaumenüberraschung. Der Koriander brachte tatsächlich einen neuen „Style“ rein.  Aber das darf doch nicht alles sein. Ich habe an kleinen versieften Buden schon interessantere Varianten des britischen Klassikers gegessen. Vor allem fehlte mir Säure an dem Gericht. Im Original wird anstatt Mayonnaise nur Salz und Malzessig serviert. Ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber man kann auch Malzessig mit Mayonnaise anrichten und schon kommt da mehr Pepp in die Geschichte.

Nicht falsch verstehen, die Fish´n´Chips im Ahoi sind in Ordnung, aber absolut nichts besonderes. Mir scheint es, dass hier auf den Modezug mit Popcorn und Koriander aufgesprungen und einfach ein bekannter Name verwendet wurde – schon verkauft es sich besser. Ich habe deutlich mehr erwartet. Noch einmal werde ich mir das Gericht dort nicht bestellen.

 

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